10.06.14:

 

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Orkney-Islands - zumindest für mich. Andrea liegt seit gestern abend mit einer Fetzen Blasenentzündung im Bett und ist am Boden zerstört - insbesondere weil für Sie die Orkneys eigentlich mit das Highlight unserer Reise waren.

Wir haben heute beim Frühstück überlegt was wir machen und haben beschlossen dass zumindest ich die Tour mitmache, um meinem Schatz dann per Bildern und Erzählungen etwas davon nahezubringen was Sie verpasst hat.

Nach einem Speed-Frühstück ging es heute um 7.45 Uhr Richtung Westen nach John o´Groats, von wo aus die Fähre zu den Orkney Islands (genauer nach Burwick) pünktlich um 9.00 Uhr abgelegt hat. Das Wetter war ziemlich bescheiden, was sich aber im Laufe des Tages noch ändern sollte. Nach einer Fahrt von etwa 40 Minuten wurden wir auf Orkney von unserem Busfahrer / Reiseleiter Stewart in Empfang genommen. Eigentlich bin ich gar kein Freund dieser organisierten Bustouren, aber heute wurde ich eines Besseren belehrt. Stewart ist ein Engländer der alten Schule (ursprünglich aus Essex - dementsprechend perfekt und deutlich ist sein Englisch), den es vor 24 Jahren der Liebe wegen auf die Orkneys verschlagen hat. Seitdem lebt er auf und liebt diese Inseln über alles, und das merkt man während der gesamten Tour, die immerhin 9 Stunden dauert.

Die Fahrt beginnt also wie gesagt in Burwick, und das erste Ziel mit einem kurzen Stop ist nach 40 Minuten die Hauptstadt Kirkwall, in welcher mit ca. 7.000 Menschen etwa 1/3 der gesamten Bevölkerung der Orkneys lebt. Der erste Teil der Tour beschäftig sich sehr viel mit Scapa Flow, einer riesigen "Bucht", die sowohl von der Nordsee als auch vom Atlantik aus über mehrere enge Passagen angefahren werden konnte. Diese Bucht spielte offenbar im 2. Weltkrieg eine wichtige Rolle und erlangte traurige Berühmtheit als der deutsche Offizier Günther Prien in einer Nacht- und Nebelaktion mit einem U-Boot ein britisches Schlachtschiff torpedierte und damit 833 Besatzungsmitgliedern das Leben nahm. Als Folge davon beschloss man, mehrere Zufahrtswege (die bis dahin nur notdürftig durch versenkte Schiffe der Royal Navy blockiert waren) auf Dauer mit Betonwällen zu verschliessen. Hierfür mussten italienische Kriegsgefangene herhalten, die aus Afrika im Februar in Shorts auf die Orkneys gebracht wurden und erst mal fast erfroren wären. Als Folge der Absperrungen konnten die örtlichen Fischer ihrem Business nicht mehr nachgehen und verlagerten sich kurzer Hand auf die Hühnerzucht um ganz Schottland mit Eiern zu versorgen, bis 7 Jahre später ein Tornado in einer einzigen Nacht 180.000 Hühner in die Nordsee davonwehte - das war es dann mit den Eiern. Die meisten Fischer / Hühnerzüchter verlagerten sich danach auf die Rinderzucht, der Sie bis heute nachgehen.

Der nächste Stop um die Mittagszeit befindet sich in Stromness, der zweiten etwas größeren Stadt mit ca. 2.000 Einwohnern. Von hier aus geht es frisch gestärkt zu einem (wenn nicht dem) Höhepunkt auf den Orkneys - Skara Brae.

Die Orkneys sind voll von archäologischen Ausgrabungsstätten, rituellen Steinkreisen etc. aus der Steinzeit, und in Skara Brae wurde (wiederum durch einen Sturm) in Jahr 1850 ein komplett erhaltenes, 5.000 Jahre altes Dorf direkt an der Küste freigelegt, welches vorher über mehrere tausend Jahre unter dem Sand verborgen war. Die Ausgrabungsstätte kann besichtigt werden und stellt eine faszinierende Zeitreise in diese Zeit und die Art wie die Leute damals vermutlich gelebt haben dar.

Diese diversen Ausgrabungsstätten, darunter auch noch andere wie z.B. die Stones of Stenness bilden den anderen Schwerpunkt der Tour, die immer mal wieder durch kürzere oder längere Stopps unterbrochen wird und aufgrund des oben beschriebenen Guides super kurzweilig ist. Zum Schluss geht es noch zu einem 1 1/2-stündigen Aufenthalt zurück nach Kirkwall, wo die prächtige St.-Magnus-Church besichtigt werden kann.

Völlig erschlagen von den ganzen Eindrücken (zumindest geht es mir so) legt die Fähre um 19.00 Uhr wieder Richtung Festland ab. Ein weiteres Naturschauspiel kann auf dieser Überfahrt beobachtet werde - man passiert genau die Stelle an welcher der Atlantik und die Nordsee aufeinandertreffen, wodurch sich große Strudel bilden - faszinierend.

Inzwischen zurück im Hotel geht es meinem Schatz leider immer noch nicht besser. Der morgige Tag soll uns südwärts wieder Richtung Inverness und dann zum Whiskey-Trail bringen. Ich kann nur hoffen dass es Andrea bis dahin besser geht.

Unser Bus für den heutigen Tag
Unser Bus für den heutigen Tag
Die Überreste eines der Schiffe die als "Sperre" dienen sollten
Die Überreste eines der Schiffe die als "Sperre" dienen sollten
Schöner Wohnen vor 5.000 Jahren - eine originalgetreue Nachbildung der Wohnstätten in Skara Brae
Schöner Wohnen vor 5.000 Jahren - eine originalgetreue Nachbildung der Wohnstätten in Skara Brae
... und hier eines der "Originale" an der Ausgrabungsstätte
... und hier eines der "Originale" an der Ausgrabungsstätte
Ausblick aus der Bucht von Skara Brae Richtung Atlantik
Ausblick aus der Bucht von Skara Brae Richtung Atlantik
Ein Teil der Steinkreises des Ring of Brogar
Ein Teil der Steinkreises des Ring of Brogar
Das prächtige Mittelschiff der St. Magnus Church
Das prächtige Mittelschiff der St. Magnus Church
Gut für die Propaganda, schlecht für den Ruf der Deutschen - zum Glück sind die Orkneyans nicht nachtragend 8-)
Gut für die Propaganda, schlecht für den Ruf der Deutschen - zum Glück sind die Orkneyans nicht nachtragend 8-)
... rauhe See heute
... rauhe See heute

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